Presse-Echo

Main Echo, 13. August 2000, Seite 13, links

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Main Echo, 13. August 2000, Seite 13, links

Unter Wasser sprengen, schweißen, betonieren

Berufstaucher leisten harte Knochenarbeit

Die beste Lebensversicherung für Berufstaucher Wolfgang Dauth ist eine gewissenhafte Wartung der Ausrüstung. Denn auf die Technik muss er sich bei seiner Arbeit in lebensfeindlicher Umgebung ebenso felsenfest verlassen können wie auf seine Mitarbeiter.

Foto: Martin Bachmann

Eschau (Kreis Miltenberg). In klarem, warmem Wasser wie im Urlaub sein Geld verdienen - so stellt man sich landläufig den Job eines Berufstauchers vor. Die Wirklichkeit sieht für Wolfgang Dauth aus Eschau anders aus. In Kesseln und Silos, gefüllt mit giftigen Stäuben, in Filter- und Abgasanlagen von Kraftwerken erwartet die Männer in der Regel harte Knochenarbeit.

Die Aufgaben, denen sie sich stellen, sind vielfältig. Da wird unter Wasser geschweißt und gebohrt, werden Stahplatten und Schiffsrümpfe mit 3.800 Grad heißen Elektroden durchtrennt. Selbst Sprengarbeiten stellen kaum ein Problem für Dauths Spezialfirma dar.

Auch am Aufbau der Bundeshauptstadt Berlin war er im wahrsten Sinne des Wortes grundlegend beteiligt und betonierte unterhalb des Grundwasserspiegels manches Fundament eines neuen Verwaltungsgebäudes. Daneben wird unter Wasser vermessen, gefilmt oder aufgeräumt. Werft- oder Hafenanlagen sind zu warten, Schleusen zu sanieren. Klärwerke stehen regelmäßig mit Wartungsarbeiten auf der Auftragsliste. Näheres ist im Internet zu erfahren unter www.taa-dauth.de

Stolz ist Wolfgang Dauth darauf, dass in den 20 Jahren, seit sein Betrieb existiert, noch kein nennenswerter Unfall und vor allem keiner seiner Mitarbeiter zu Schaden gekommen ist. Der Gefahr, die mancher Auftrag in sich birgt, setzt er Perfektionismus und Verantwortungsbewusstsein entgegen. Sicherheit geht über alles.

Deshalb hat er auch das Motorradfahren aufgegeben, seiner Frau zuliebe. Ob für immer? - Wer weiß?

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Main Echo, 13. August 2000, Seite 13, Mitte

Wolfgang Dauth packt überall dort an, wo anderen Menschen die Luft wegbleibt.

Seit 20 Jahren erledigt der Eschauer Tauch- und Atemschutzarbeiten aller Art

Drei Mann - ein Team: Während der Taucher seine Arbeit macht, wie hier Wolfgang Dauth im Belebungsbecken des Niedernberger Klärwerks, bleibt auf dem Trockenen der Leinenmann Patrick Heusinger in Kontakt zu ihm. Ersatztaucher Ralf Strempel hält sich für den Ernstfall bereit.

Foto: Martin Bachmann

Eschau (Kreis Miltenberg). Dass Wolfgang Dauth und seine Kollegen mitunter kalte oder nasse Füße bekommen, gehört bei ihnen zum Berufsrisiko. Und obwohl sie nicht selten "untertauchen" müssen, sind sie keineswegs "schwere Jungs". Vielmehr sind sie spezialisiert auf Tauch- und Atemschutzarbeiten und packen überall dort an, wo anderen Menschen die Luft wegbleibt.

" Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp, zu tauchen in diesen Schlund? Einen goldenen Becher werfe ich hinab, verschlungen schon hat ihn der schwarze Mund."

In Friedrich Schillers Gedicht "Der Taucher" endet die tollkühne tat für den mutigen Jüngling letztendlich tragisch. Für Wolfgang Dauth hingegen hat das Eintauchen - gleich ob in Wasser, in giftige Gase oder dunkle Röhren - nichts mit Wagemut sondern mit Know-How, Hightech und gewissenhafter Vorbereitung zu tun. "Ich bin Perfektionist, sowohl was die Ausrüstung als auch was die Arbeit betrifft." Dieser Perfektionismus hat dem 40-jährigen und seinen Leuten bisher stets ein wohlbehaltenes Auftauchen garantiert.

Von Kindesbeinen an mit Flossen

Seine Leidenschaft fürs nasse Element hat der gebürtige Frankfurter bereits im zarten Alter von sechs Jahren in Jugoslawien am Meer entdeckt. Die Urlaube mit den Eltern verbrachte er dort hauptsächlich unter Wasser mit Schnorchel und Flossen, erinnert er sich. Vor etwa zehn Jahren hat er dann seine Passion zum Beruf gemacht. Gelernt hat er ursprünglich Metalldreher. Doch die Werkhalle war für ihn "toter Raum", mit der Stechuhr stand er ständig auf Kriegsfuß. "ich brauche Sonne, Regen, brauche ganz einfach Platz um mich herum", erklärt Dauth. Auf dem Weg zu seinem "Traumjob Berufstaucher" musste er manche Hürde nehmen und aus mancher Sackgasse herausfinden. Als Zivildienstleistender war er zunächst Rettungssanitäter, später Betreuer in einer Tagesstätte für körperbehinderte Kinder. Er versucht sich als Lastwagenfahrer, als Gärtner in einem tropischen Gewächshaus, gar als Müller in der Eschauer List-Mühle. 1990 gründete er mit einem Freund in Heimbuchenthal die Firma "Team Aktiv", die Kurse und lehrgänge vom Tauchen über Klettern bis hin zum Gleitschirmfliegen anbietet. Um diese Trendsportarten seinen Kunden beibringen zu können, musste Wolfgang Dauth sie zunächst einmal selbst erlernen und sich fit machen. "Beim Tauchen bin ich schließlich hängen geblieben, erklärt der Allroundsportler.

Jeder Job ein Abenteuer

Am 21. Dezember 1990 meldete er seine Firma für Tauch- und Atemschutzarbeiten in Eschau an. Inzwischen ist Wolfgang Dauth gut aus den beruflichen Startlöchern herausgekommen und hat sich mit seinem Spezialunternehmen einen Namen gemacht. Je nach Auftragslage kann er auf bis zu zwölf freiberufliche Taucher zurückgreifen.

"Jede Baustelle ist ein Abenteuer, eine Herausforderung, bei der man vor einer neuen Situation steht und mit neuen Leuten zu tun hat", versucht er den Reiz des Unbekannten in seinem Beruf in Worte zu fassen. Hier fand er schließlich auch die berufliche Freiheit, die er als Metalldreher in den Werkhallen vergeblich gesucht hatte. Eintönigkeit oder gar Langeweile komt seither nicht mehr auf, versichert er.

Routinejob im Klärbecken

Dauths Taucherdienstbuch - zunächst Ausbildungs-, später Arbeitsnachweis eines jeden Berufstauchers - gewährt Einblick in ein umfang- und abwechslungsreiches Betätigungsfeld (siehe nebenstehenden Artikel). Fast schon zur Routine gehören da Wartungseinsätze, wie beispielsweise jener für wenige Wochen in der Niedernberger Kläranlage. In der trüben Brühe des Belebungsbeckens müssen die Schrauben der Rührwerke nachgezogen werden, gleich zeitig wird das rund fünf Meter tiefe Becken auf Ablagerungen kontrolliert.

Luftblasen an der Oberfläche verraten Ralf Strempel, wo sich Wolfgang Dauth derzeit befindet. Als sogenannter Leinenmann dirigiert er vom Trockenen aus übers Telefon seinen Chef an den jeweiligen Einsatzort. Der Rest ist reine Gefühlssache. "Wir sehen mit zehn Augen", erklärt Strempel, wedelt mit den Fingern und demonstriert damit anschaulich, wie sich der Taucher in der tiefen Grabesfinsternis eigentlich zurechtfindet.

Jedes Arbeitsteam besteht aus mindestens drei Leuten. Neben Taucher Dauth und Ersatztaucher Strempel ist an diesem Tag Patrick Heusinger der Dritte im Bunde, der die Luftzufuhr zum Taucher überwacht. "Wichtig bei einem guten Team ist, dass 'die Chemie' untereinader stimmt", erklärt Dauth. "Ein guter Leinenmann hört schon am Atmen, wenn unten etwas Ungewöhnliches geschieht". Und selbst erfahrene Taucher sind gegen Überraschungen nicht gefeit.

Dauth erinnert sich daran, als er in einem langen, engen Kanal mit gerade mal 60 Zentimeter Durchmesser steckte und plötzlich ein lautes Sauggeräusch hörte, wie wenn irgendwo Luft entweicht. "Da wird's Dir heiß", gesteht er, und da darfst du nicht in Panik geraten, sonst passiert's." - Was, bleibt unausgesprochen. Dank Reserveflasche auf dem Rücken, erreichte er im Rückwärtsgang unbeschadet wieder den Ausgang.

Fundstücke - des Tauchers Beute

"Was ein Taucher in der Tiefe findet, kann er behalten." Wolfgang Dauth hat bereits eine ganze Sammlung solcher Fundstücke gehortet, von Fahnenspitzen mit Hammer und Sichel, die nach der Besatzungszeit in irgend einem See versenkt wurden, über eine Schiffsglocke unbekannter Herkunft bis hin zum Goldbarren. Für ihn haben des Königs Worte in Schillers Gedicht Gültigkeit: "Wer mir den Becher kann wieder zeigen, der mag ihn behalten, er ist sein Eigen." mb

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